In Mülheim fehlt es für fast alle Mietergruppen an bezahlbarem Wohnraum. Damit unterscheidet sich unsere Stadt an der Ruhr nicht von anderen Kommunen. Viele von diesen verfügen jedoch über Datengrundlagen, welche Auskunft geben über vorhandene Nutzungspotentiale und insofern politische und wirtschaftliche Entscheidungen mit Blick auf neue Bebauungen erleichtern.

Mülheim an der Ruhr besitzt eine solche Datensammlung nicht. Das städtische Baulückenkataster wird seit einiger Zeit nicht mehr fortgeführt. Es fehlt derzeit also ein gesamtstädtischer Überblick über Wohn- und Nutzflächen-Potenziale.

Dies will das Netzwerk „Parkstadt Mülheim… aber richtig!“ ändern, und zwar auf ungewöhnliche Art und Weise. Es ruft die Bürgerinnen und Bürger der Stadt auf, ihr Wissen und ihre Beobachtungen einzubringen und mögliche Potenzialflächen in einer interaktiven Karte zu verorten und zu beschreiben.

Erreichbar ist diese Karte auf der Website des Netzwerks.

Die Bürgerinitiative will damit Politikerinnen und Politikern, aber auch Investoren Informationen zur Verfügung stellen, um faktenbasiert Entscheidungen zu treffen; sie will damit auch der Gefahr entgegenwirken, dass womöglich am Bedarf vorbeigeplant wird.

Nachfolgend der Text der Pressemitteilung.


Mülheim an der Ruhr, 09.03.2026 – Das Netzwerk „Parkstadt Mülheim… aber richtig!“ regt eine von den Mülheimer Bürgerinnen und Bürgern unterstützte Erhebung des Wohn- und Nutzflächen-Potenzials in ihrer Stadt an. Dazu hat es auf seiner Website eine Karte hinterlegt, in der die augenscheinlich freien und bebaubaren Flächen, aber auch Leerstände im gesamten Stadtbereich dargestellt werden. Grund für diese Initiative ist die bislang mangelnde Datengrundlage in Bezug auf den mittel- und langfristigen Bedarf an Wohn- und Gewerbeimmobilien in Mülheim an der Ruhr.

Zukunftsfähiger Stadtumbau ist die wichtigste Aufgabe, der sich die Kommunen in der Bundesrepublik Deutschland in den kommenden Jahren zu stellen haben. Dazu gehören nicht nur Themen wie Energieversorgung und Klimaresilienz, sondern auch die Analyse dessen, was die Mülheimer Stadtentwicklung wirklich braucht. Dafür fehlen jedoch die lokalen Datengrundlagen.

„Dies ist sehr bedauerlich, da die Gefahr besteht, dass am Bedarf vorbeigeplant wird und mittel- und langfristig zusätzliche Leerstände zu Lasten der Quartiere produziert werden“, sagt die Beratende Ingenieurin Anke Schniewind, Vermessungsassessorin und engagiert im Netzwerk.

Sie weist darauf hin, dass in Mülheim für fast alle Mietergruppen bezahlbarer Wohnraum fehlt. Um Abhilfe zu schaffen, gelte es, alle möglichen Potenziale zu heben. Hierzu zählten insbesondere

  • die Umnutzung nicht mehr benötigter Gewerbestandorte, insbesondere von Büroflächen; dies gelte es zu unterstützen,
  • die Reaktivierung baulich vorgeprägter Brachflächen und
  • die Schaffung des notwendigen Baurechts für verträgliche Nachverdichtungen bestehender Quartiere über Bebauungspläne.

Es sei nicht nur bedauerlich, dass das städtische Baulückenkataster seit einigen Jahren nicht mehr fortgeführt worden sei. Auch ein aktueller Überblick über Gewerbeflächen und -bedarfe existiere nicht, obwohl dieser Bereich besonders dynamisch sei.[1]

„Gerade in einer Zeit, in der immer wieder mit mangelndem Wohnraum und mangelnden Gewerbeflächen argumentiert wird und gleichzeitig ein ‚Bauturbo‘ schnelle Neubebauungen ermöglichen soll, wäre eine solche faktenbasierte und immer wieder aktualisierte Grundlagenarbeit von größter Bedeutung. Bedarfe lassen sich leicht behaupten, sie sollten sich aber auch nachweisen lassen“, so die Ingenieurin.

Anke Schniewind: „In Düsseldorf lag die Büro-Leerstandsquote im 3. Quartal 2025 nach Angaben der Pfandbriefbank bereits bei 10,9%, Tendenz steigend. Wieviel Potenzial bieten solche Flächen dann erst in unserer Stadt mit ihrem erheblichen Leerstand?“

Sie warnt davor, vermeintliche Bedarfe an Wohnraum und Gewerbeflächen konzentriert in wenigen Stadtvierteln decken zu wollen: „Die Speldorfer und Broicher Bürger gewinnen zurzeit den Eindruck, dass der langfristige Wohnraumbedarf im Wesentlichen an wenigen zentrierten Stellen links der Ruhr ‚gesichert‘ werden soll.“

Will sich da eine Stadtverwaltung auf Neubau fokussieren und mit wenigen Federstrichen ihrer Aufgabe für viele Jahre entledigen? Das Netzwerk ‚Parkstadt Mülheim – aber richtig!‘ hält dagegen und will in einer gesamtstädtischen Betrachtung aufzeigen, wieviele Potenziale bereits im Bestand und augenscheinlich vorhanden sind. „Auch wenn diese Potenziale erst in einigen Jahren gehoben werden, sind sie doch langfristig mitzurechnen.“

Deshalb ruft die Bürgerinitiative die Mülheimerinnen und Mülheimer dazu auf, ihr Wissen und ihre Beobachtungen einzubringen und weitere mögliche Potenzialflächen in einer interaktiven Karte zu verorten und zu beschreiben. Anke Schniewind: „Alle Bürgerinnen und Bürger können mitmachen, vielleicht auch Freunde und Bekannte aktivieren. Über die gerade erst freigeschaltete Karte auf der Website unseres Netzwerks https://parkstadt-muelheim-aber-richtig.de/karte/ können sie Gebäude oder Baulücken anonym melden, und zwar in Verbindung mit der vollständigen Objekt-Adresse und einigen Fotos. Vor einer Veröffentlichung werden diese Angaben von uns plausibilisiert und ggf. ergänzt. Diese von der Allgemeinheit erstellte Übersicht hat natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und eher prozessualen Charakter, weil der Immobilienmarkt einer natürlichen Dynamik unterliegt.“

Trotzdem wären diese Angaben sehr gute Grundlagen für politische Entscheidungen, für Einschätzungen von Projekten durch die Bürgerschaft selbst sowie für erste Orientierungen von Investoren. Es dürfe keinen Blindflug geben bei Immobilieninvestitionen, die womöglich stadtbildprägend sein könnten – siehe das Neubauprojekt „Parkstadt“ – so die Ingenieurin.

Anke Schniewind: „Im Ergebnis möchte das Netzwerk anregen, dass die städtischen Entscheider die Bestandspotenziale einschließlich noch nicht umgesetzter Baugenehmigungen in möglichen mittel- und langfristigen Bedarfserhebungen für Wohnen und Gewerbe berücksichtigen. Wir gehen davon aus, dass sich darüber die angeblichen Neubau-Zusatzbedarfe erheblich reduzieren lassen.“


[1] Immobilienmarktbericht Ruhr (Business Metropole Ruhr GmbH – BMR): Dies ist die aktuellste und umfassendste Quelle. Die BMR veröffentlicht jährlich einen Bericht (zuletzt Immobilienmarktbericht Ruhr 2024/2025), der detaillierte Einblicke in den Büro- und Gewerbeimmobilienmarkt der Region, einschließlich Mülheim an der Ruhr, bietet.

Aktuelle Bevölkerungsprognose

Bewerbung des Mülheimer Baulückenkatasters